5 Fragen an: Eine Bergwanderführerin. Im Gespräch mit Valeska von Karpowitz.
„Natur spüren & erleben”, lautet das Motto von Valeska von Karpowitz. Zuhause im Oberallgäu möchte sie ihren Gästen unvergessliche Bergmomente ermöglichen. Valeska macht aktuell beim VDBS die Ausbildung zur Bergwanderführerin und beantwortet unsere Fragen zu diesem Beruf.
#1 Warum machst du die Ausbildung zur Bergwanderführerin?
Vor fünf Jahren habe ich meinen Angestelltenjob geschmissen und wollte in Portugal als Wanderreiseleiterin für einen nachhaltigen Reiseanbieter durchstarten. Corona sah das jedoch anders. Per Zufall bin ich kurz darauf im Oberallgäu gelandet – und hängen geblieben. Mit Bergen hatte ich bis dahin zwar kaum Berührungspunkte, aber das hat sich schnell geändert. Wenn ich nicht gerade mit dem Aufbau meiner Selbstständigkeit als Texterin beschäftigt war, nutzte ich die freie Zeit zum Wandern. Meine Faszination für die Berge wuchs mit jedem Jahr und meine Leidenschaft für verschiedenste Outdooraktivitäten ebenfalls. So sind zum Wandern mittlerweile Sport- und Alpinklettern, Bergsteigen, Gravelbiken und Skitouren gehen dazugekommen.
Nach vier Jahren Vollzeit-Selbstständigkeit und 100 % Computerarbeit spürte ich, dass ich noch mehr Zeit draußen und vor allen Dingen gemeinsam mit echten Menschen verbringen wollte – um das, was mir wirklich wichtig zu teilen. So kam es, dass ich mich für die Ausbildung als Bergwanderführerin entschied. Als zweites Standbein neben dem Schreiben war es für mich die perfekte Ergänzung.
Die Ausbildung mit der höchsten Qualität war für mich ausschlaggebend, warum ich mich für den VDBS entschied – befreundete Bergführer rieten mir dazu. Und da ich zukünftig auch im Ausland zusammen mit verschiedenen Freunden Angebote kreieren möchte – u.a. Wandern in Verbindung mit Surfen, Segeln und Yoga –, macht der UIMLA Mountain Leader für mich am meisten Sinn.
#2 Wie schaut die Ausbildung zur Bergwanderführerin aus?
Bevor ich überhaupt zur Ausbildung zugelassen wurde, musste ich ein 2-stufiges Aufnahmeverfahren meistern. Im ersten Schritt musste ich ein Tourenbuch einreichen, in dem unterschiedlich anspruchsvolle Touren vorzuweisen waren. Danach fand eine praktische Eignungsprüfung statt. Die Glücklichen, die auch das geschafft hatten, durften schließlich die Ausbildung beginnen.
Diese Ausbildung zum UIMLA International Mountain Leader umfasst insgesamt 42 Ausbildungstage im Sommer und Winter. Zusätzlich müssen alle Teilnehmer 15 Praktikumstage absolvieren. Von Wetterkunde, Orientierung und Kartenkunde über Knotentechniken und Seilkunde bis hin zu Führungskompetenzen und Risikomanagement ist die Ausbildung inhaltlich breit gefächert. Die Lehreinheiten sind dadurch sehr abwechslungsreich und ich denke, dass ich für meinen Ausbildungsjahrgang spreche, wenn ich hinzufüge, dass es wirklich nie langweilig wird.
Überhaupt ist die Motivation, Begeisterung und Lernbereitschaft sowohl bei den Teilnehmern als auch bei den Ausbildern extrem groß – das beeinflusst den Spaß am Lernen und den Lerneffekt selbst enorm! Und weil die Atmosphäre bei bisher jedem Lehrgang außergewöhnlich ist, tritt am Ende jedes Lehrgangs immer etwas Wehmut auf. Das unterscheidet die Ausbildung vermutlich von anderen Angeboten, denn über die gesamte Ausbildungsdauer von zwei Jahren entsteht eine echte und enge Verbindung untereinander.
#3 Was macht eine Bergwanderführerin?
Als Bergwanderführerin begleite ich Menschen auf einfachen bis mittelschweren Bergtouren, führe Hüttentouren, Weitwanderungen oder Kultur- und Themenwanderungen. Im Winter sind wir mit Schneeschuhen unterwegs. Prinzipiell vermitteln wir als Bergwanderführer*innen verschiedene Techniken und spezifisches Wissen, wir behalten den Überblick, sorgen für die Sicherheit der Gruppe und sind da, wenn es für den einen oder anderen herausfordernd wird. Die Arbeit ist damit vielseitig und das Schöne ist, dass wir den Touren unsere ganz persönliche Note geben können. Dadurch ist das Erlebnis bei der ein- und derselben Tour von Guide zu Guide trotzdem immer anders.
Als Bergwanderführerin schätze ich die Begegnungen mit unterschiedlichen Menschen und das gemeinsame Unterwegssein sehr. Schon in meinen früheren Nebenjobs in einem Surfcamp, auf einem Tauchboot oder als Kellnerin auf einer Berghütte habe ich immer wieder gemerkt, dass ich die Geselligkeit und das gemeinsame Erleben zu mir gehört – das muss man auf jeden Fall mögen, wenn man sich auf diesen Job einlässt.
Mein Ziel ist es, sichere und zugleich bereichernde Berg- und Naturerlebnisse zu schaffen. Im Allgäu und – dank der UIMLA-Zertifizierung – auch im Ausland. Insbesondere am Beginn meiner Bergwanderführerin-Laufbahn habe ich vor, hauptsächlich für Berg- und Alpinschulen zu arbeiten. Mit ausreichend Erfahrung möchte ich ergänzend eigene Touren- und Reiseangebote kreieren – diese Mischung aus beidem reizt mich besonders.
Noch dazu ergänzt die Tätigkeit meinen bisherigen Beruf perfekt: Drinnen schreiben, draußen arbeiten – beides hält sich die Waage und sorgt dafür, dass ich weder geistig noch körperlich einroste. Und da ich als Texterin ortsunabhängig arbeiten kann, zahlt sich die jahrelange Arbeit aus – sie gibt mir genau die Freiheit und Flexibilität, die ich mir immer gewünscht habe.
#4 Was macht eine Bergwanderführerin nicht?
Eine Bergwanderführerin führt nicht in hochalpinem oder technisch anspruchsvollem Gelände. Das heißt: Keine Klettersteige, keine Gletscher, keine Hochtouren, kein Führen oder Klettern am Seil – all das gehört in das Verantwortungsgebiet staatlich geprüfter Berg- und Skiführer*innen. Auch im Winter bewegen wir uns ausschließlich auf Schneeschuh- und Winterwanderungen außerhalb der Lawinengefahrengebiete und nicht im Skitourenbereich.
Als Bergwanderführer*innen führen wir professionell, treffen sicherheitsrelevante Entscheidungen, tragen Verantwortung für eine Gruppe und bewegen uns in einem klar definierten rechtlichen Rahmen – der allerdings je nach Land unterschiedlich sein kann. Kurz gesagt: Wir sind Expert*innen für sicheres und kompetentes Unterwegssein auf Bergwegen. Alles darüber hinaus überlassen wir den Kolleg*innen der Berg- und Skiführer*innen.
Und auch wenn die Zusammenarbeit mit Hütten, Alpinschulen oder Reiseanbietern viele Vorteile hat: Ausrüstungssponsoring, Gratiseintritte oder „ich kenn da jemanden“-Extras gehören nicht zum eigentlichen Berufsbild.
#5 Wieviel Geld kostet die Ausbildung zur Bergwanderführerin und wieviel kann man damit verdienen?
Die Ausbildung kostet insgesamt rund € 7.800. Darin enthalten sind alle Lehrgänge und Prüfungen. Unterkunft, Verpflegung, Anreise oder Seilbahnkosten kommen noch dazu, genauso wie spätere laufende Ausgaben für Verbandsmitgliedschaften, Versicherung, Ausrüstung und Fortbildungen.
Beim Arbeiten mit Direktkunden liegt der vom VDBS empfohlene Tagessatz für UIMLA Bergwanderführer*innen bei etwa € 400 brutto. Hier sind Organisation, Vorbereitung und Steuern bereits mitgedacht; Spesen werden extra berechnet. Führt man dagegen für Bergschulen oder Veranstalter, liegt der Tagessatz durchschnittlich bei etwa € 270 Euro netto, da dort die Betriebs- und Marketingkosten abgedeckt werden müssen. Wie viel man letztlich verdient, hängt stark davon ab, wie viele Tage man führt und ob man eigene Angebote entwickelt oder hauptsächlich für Veranstalter arbeitet.

















