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am 02.03.2026

5 Fragen an: Ein Seilzugangstechniker. Im Gespräch mit Christoph Rieser.

Christoph Rieser Seilzugangstechniker VDBS

Christoph Rieser übt zwei Berufe aus, die im VDBS angesiedelt sind: Er ist Berg- und Skiführer und arbeitet auch als Seilzugangstechniker (Level 3). Und weil er auch noch Ausbilder bei der Ausbildung zum Seilzugangstechniker ist und er sich hier echt gut auskennt, haben wir ihn dazu einige Fragen gestellt.

#1 Warum hast du die Ausbildung zur Seilzugangstechniker gemacht?

Die Arbeit als Seilzugangstechniker (SZT) bildet für mich die ideale Ergänzung zum Bergführerberuf. Wenn man hauptberuflich davon leben möchte, bietet sich hierbei die Möglichkeit das ganze Jahr über in einem Metier zu arbeiten, das erfüllend ist: in einer idealen Symbiose aus allen Facetten des Bergführeralltags mit anspruchsvoller Seilarbeit. Techniken und Fähigkeiten aus beiden Sparten verschmelzen hier – und das gilt wechselseitig.

#2 Wie schaut die Ausbildung zum Seilzugangstechniker aus?

Wir haben im VDBS bis 2022 nur Bergführer zum Seilzugangstechniker ausgebildet. Seitdem ist die Ausbildung in unserem Verband geöffnet für alle unsere Mitglieder, d.h. auch Kletterlehrer und Bergwanderführer und sogar für alle Interessierten außerhalb unseres Verbandes – diese müssen vor der Ausbildung nur dem VDBS beitreten.

Das hat uns vor eine neue Herausforderung gestellt. Denn einem Bergführer musst du keinen grundlegenden Umgang mit dem Seil beibringen. Bei ihm geht es dann hauptsächlich um unterschiedliche Techniken in der Seilzugangstechnik und natürlich um komplexere Rettungsmanöver. Jetzt gibt es keine Voraussetzung und jeder kann zur Ausbildung kommen, der sich dazu berufen fühlt. Natürlich muss dann entsprechend den Vorkenntnissen mehr oder weniger intensiv dafür trainiert werden.

Die Ausbildung ist bei uns im VDBS – wie auch in allen anderen ausbildenden Partnerverbänden der IVBV (internationale Vereinigung der Bergführerverbände) in 3 Stufen gesplittet: Level 1,2,3. Bereits mit der ersten Stufe kann man als SZT arbeiten, mit dem Level 2 kommt dann Verantwortung für Mitarbeiter hinzu und die Rettungstechniken werden komplexer. Das Level 3 ist dann der bauaufsichtführende Seilzugangstechniker, der eine komplette Baustelle selbständig führen darf und zudem zuständig für Gefahrenermittlung, Risikobeurteilung und Sicherheitskonzepte der Baustelle mit allen komplexen Arbeits-, Notfall- und Rettungsplänen ist.

Level 1 und 2 umfassen jeweils 5 Tage Ausbildung incl. einem Prüfungstag in Theorie und Praxis. Zwischen den einzelnen Levels muss mind. 6 Monate Trainingszeit und große Erfahrung mit Arbeiten am Seil liegen, dokumentiert in einem Seilstundenbuch. Zwischen Level 2 und 3 müssen 12 Monate Trainingszeit und mind. 250 Seilarbeitstage liegen.
Die Level 3 Ausbildung ist zweigeteilt: Das erste Modul umfasst einen Praxisteil bei dem sämtliche Kenntnisse aus Level 1 und 2 geprüft werden, kombiniert mit speziellen komplexen Rettungsverfahren. Beim Modul 2 muss selbst erstelltes Organisations-, Sicherheits- und Rettungskonzept eines eigenen Baustellenprojekts vorgestellt werden. Beide Module werden noch durch einen Theorieteil mit gesetzlichen Grundlagen und Richtlinien ergänzt und dauern jeweils 3 Tage, plus Erstellung einer Projektarbeit dazwischen.

Zu guter Letzt bieten alle IVBV Mitgliederverbände noch eine 1+ Ausbildung an, bei der Teilnehmer mit einer seilbezogener Vorausbildung (z.B. Kletterlehrer), die sich dementsprechend seiltechnisch fit fühlen die Möglichkeit haben die Level 1 Ausbildung um 2 Tage zu verkürzen. Dasselbe Angebot gilt auch gerne für staatl. geprüft. Bergführer, als freiwillige Trainingseinheit, ansonsten kann diese Berufsgruppe aufgrund ihrer intensiven Seilausbildung direkt mit dem Level 2 starten.

2026 findet die Level 1 & 2 Ausbildung des VDBS im Mai/Juni in Mitterfels/Bayerischer Wald und im November in Garmisch statt, ein Level 3 Kurs wird nach Bedarf durchgeführt. Weitere Infos und Anmeldung auf www.vdbs.de

#3 Was macht eine Seilzugangstechniker?

Der Arbeitsbereich ist extrem vielfältig, doch kurz und prägnant: Überall da wo man aus Kosten- oder Zugangsgründen auf Gerüste oder Kransysteme verzichten will oder muss kommt der Seilzugangstechniker ins Spiel. Dabei sind nicht nur seine seiltechnischen Zugangsfähigkeiten gefragt, sondern auch seine handwerklichen Fähigkeiten, die er sich im Vorfeld oft erst erarbeiten muss. So arbeitet ein SZT genauso in der Felssicherung, wo er Bohrlafetten bedient als auch bei Montage-, Reinigungs- oder Dokumentationsarbeiten an Hochhäusern, Bauwerken, Hochkaminen, die meiste Zeit jedoch in großer Höhe hängend am Seil. Viele Auftraggeber sehen die Vorteile der Seilzugangstechniken aber erst, wenn sie es selbst einmal gesehen haben: So denkt z.B. eine Hausverwaltung eines fünfstöckigen Wohnblocks oft nicht sofort an einen Kletterer, wenn sie in einem beengten Innenhof schlecht zugängliche Außenjalousien wechseln muss. Dabei kann ein SZT oft effektiver sein als ein aufwendiger Gerüstaufbau.

#4 Was macht eine Seilzugangstechniker nicht?

Nicht jeder SZT wird alle ihm angebotene Projekte oder Arbeitsangebote annehmen. Jeder muss hier selbst wissen, ob seine Erfahrungen, Kompetenzen und Fähigkeiten für den Job passen, oder ob er damit überfordert ist und ein Kollege mit mehr speziellem Können passender ist. Bei dieser Beurteilung wünsche ich jedem immer das geeignete Händchen, sonst kann es schnell gefährlich werden.
Generell hört man nie auf zu lernen und entwickelt sich laufend weiter – denn wie gesagt, die Aufgaben eines SZT sind vielfältig …

#5 Wieviel Geld kostet die Ausbildung zur Seilzugangstechniker und wieviel kann man damit verdienen?

Die Level 1 & 2 Kurse kosten jeweils € 1.200,- Kursgebühr und für die nicht ganz günstige Grundausrüstung muss zusätzlich mit knapp € 1.000,- gerechnet werden. Die Level 3 Ausbildung kostet ca. das Doppelte.

Die Honorare variieren stark und hängen davon ab wie komplex die einzelnen Aufgaben sind. Das Honorar hängt zum einen von dem Ausbildungslevel ab und zum anderen von den geforderten handwerklichen Fähigkeiten und von Spezialwissen wie z.B. an Windkraftanlagen.

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