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Wenn auch das bevorzugte Metier, Eis und Fels, des
Bergführers gleichgeblieben ist, so hat sich doch zu den
Anfängen aus seiner "Steinzeit" einiges verändert.
Während in früherer Zeit der Gast, meist ein "betuchter
Städter", den ortskundigen Naturburschen, oftmals Hirte oder
Wilderer, in seine Dienste stellte, ist heute ein Führer mit
einem überaus vielseitigen Anforderungsprofil gefragt. Wenn
auch die alten ethischen Werte noch absolute Gültigkeit
haben, zeichnet sich der heutige Bergführer auch durch
modernes und zeitbewußtes Management aus. Während er
früher fast ausschließlich in der näheren
Umgebung seiner Talschaft seine Dienste anbot, ist er in seiner
"Neuzeit" grenzüberschreitend und weltweit unterwegs.
Der Bergführerberuf im Wandel der Jahreszeiten
So stehen im Sommer Führungen von der leichten Wanderung mit
Schwerpunkt Kultur oder Botanik, über klassische Touren in
Fels und Eis, Sportkletterrouten in den obersten
Schwierigkeitsbereichen, sowie Canyoning, bis hin zur Leitung von
anspruchsvollem Trekking und Expeditionen zu den höchsten
Bergen unserer Erde auf dem Programm. Im Winter verhilft er
seinen Gästen zu ersehnten Erfolgserlebnissen u.a. auf
leichten Tagesskitouren, anspruchsvollen Gebietsdurchquerungen,
beim Variantenskifahren, bei Führungen an gefrorenen
Wasserfällen, oder als Guide beim Heli-Skiing.
Sicherheit und Umweltbewusstsein
Zum "klassischen Führen" kam im Verlauf seiner Entwicklung
die Tätigkeit als Ausbilder hinzu. Bei Ausbildungskursen,
die Inhalte der verschiedensten Spielformen des Bergsteigens
beinhalten, bildet er meist im Gruppenrahmen, Interessierte zum
selbständigen Unterwegs sein aus.
Sehr schnell hat auch die Bergführerschaft begriffen, wie
wichtig für sie ein intakter und sauberer "Arbeitsplatz"
ist. Die Zeichen der Zeit erfordern vom Bergführer auch
Kenntnisse der ökologischen Zusammenhänge. Mehr und
mehr ist er gefordert, in den wenigen ursprünglich
erhaltenen Landschaften die richtigen Wege zu weisen. Der
Bergführer ist auf diesem Gebiet einer der wichtigsten
Multiplikatoren geworden. Mit Bergführern unterwegs zu sein
heißt: verantwortungsbewußtes Verhalten in den
Landschaften und sorgsamer Umgang mit den Menschen, die darin
leben.
Der "Alpine Zehnkämpfer"
Was verschafft nun eigentlich dieser Berufsgruppe die Kompetenz,
die sie nur für sich beansprucht? Die Kompetenz, die eine
klare Grenze zu den, in ihren Augen, sogenannten "Schwarzen
Schafen", den "selbst ernannten Führern" bildet?
Entscheidend dafür sind sicherlich drei wichtige Faktoren.
Einmal ist es die umfangreiche und hochqualifizierte Ausbildung,
darauf aufbauend, die durch nichts zu ersetzende Erfahrung sowie
die absolute Identifikation mit der gestellten Aufgabe und deren
erweiterten Umfeld. Auf Grund der Veränderung des Berufsbildes
erweiterte sich zwangsläufig das Anforderungsprofil und
somit auch die Ausbildung eines Staatlich geprüften Berg-
und Skiführers.
Das überdurchschnittlich hohe persönliche Können
eines Allrounders oder des "Alpinen Zehnkämpfers", im Fels,
Eis, Mix-Gelände und auf Ski, bei allen Schneearten, bildet
die Grundvoraussetzung um in die mehrjährige
hochqualifizierte Ausbildung einsteigen zu können. Eine
sogenannte Plattform, mit internationaler Gültigkeit,
schreibt die Mindestanforderungen, die Inhalte sowie die
Zeitdauer dieser Berufsausbildung vor. Der Bereich der
Lehrinhalte ist breit gefächert. Neben Führungstaktik
und -technik, Methodik und Didaktik sind Trainingslehre,
Anatomie, Ökologie sowie Psychologie Standardthemen.
Andere Länder andere Sitten
Um den unterschiedlichen Anforderungen gerecht zu werden, wird
jedes Land darüber hinaus für sich spezifische
Schwerpunkte setzen. Zweifellos unterscheidet sich der
Einsatzbereich und somit das Berufsbild zwischen den einzelnen
Nationen. Die Tätigkeitsmerkmale des Führers aus Peru,
Neuseeland oder Canada sind sicherlich anders gelagert als die
eines Führers aus dem Alpenraum oder von
Großbritannien. Als kontrastreiches Beispiel wäre ein
Vergleich zwischen Südtirol und Peru. Während der
Führer aus dem Grödnertal im Sommer vorwiegend auf
genußreichen Tagesklettertouren unterwegs ist, wird sein
Berufskollege aus La Paz mit Trekkinggruppen die reizvollsten
Gebiete seines Landes aufsuchen oder die attraktiven Gipfel der
Cordilleren im Expeditionsstil besteigen. Der Großteil der
Bergführer ist, meist auf freiberuflicher Basis, in
Bergschulen oder ähnlichen Organisationen tätig. Dies
ermöglicht ein breites Touren- und Kursangebot sowie
gemeinsame und effektive Werbemaßnahmen. Sich
natürlich selbst einen "privaten Kundenstamm" aufzubauen und
zu erhalten, ist Ziel vieler Profis.
Das Gipfelerlebnis ist nicht mitgebucht
Wenn auch eine stattliche Anzahl der Führer ihr Einkommen
ausschließlich aus der Bergführertätigkeit
bestreiten, so sind doch jene in der Mehrzahl, die dieser
"Berufung" im Zweitberuf oder in Nebentätigkeit nachgehen.
Eines bleibt aber für alle gleich, "der Gast ist
König", denn je nach Bedarf kümmert sich der
Bergführer um alle notwendigen Details. Von der
Ausrüstungsliste über die persönliche Beratung bis
zur Organisation vor Ort, damit das Erlebnis "Berg" ein Erfolg
wird. Leider geht die "Kundschaft" oft von falschen
Voraussetzungen aus. Nämlich dann, wenn die Einstellung
vorherrscht, daß bei einem Arrangement mit einem
Bergführer der Gipfelsieg bereits mit gebucht werden kann.
Eine Umkehr, ein Abbruch der Tour aus Gründen der Sicherheit
und Fürsorge dem Gast gegenüber, muß nicht immer
Verständnis finden. Es bedarf viel Erfahrung im Umgang mit
komplexen Situationen, die fast nur "Ja"- oder "Nein
Entscheidungen" zulassen. Allzu oft wird er als "Magier der
Grauzone" dargestellt und gesehen. Dem ist nicht so! Jeder Gast
muß sich vor Augen führen, daß sein Vorhaben in
den Bergen, auch mit Führer, mit einem immer vorhandenen
Restrisiko behaftet ist. Selbst der beste Bergführer kann
seinen Anvertrauten nie die absolute Sicherheit bieten -
unumstritten aber, die größtmögliche
Sicherheit!
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"Unterwegs sein zu dürfen ist herrlich
- unterwegs sein zu müssen, kann oft sehr hart sein!"
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Traumberuf Bergführer?
Mit der Ganghofer Romantik von einst
hat der Beruf des Bergführers nicht mehr viel zu tun.
Vielmehr ist er zum "knallharten" Geschäft geworden, das -
will man erfolgreich sein - mit sehr viel Aufwand und
Einsatzbereitschaft geführt werden muß. Es stellt sich
die Frage nach dem "Warum?". Warum ergreift man den Beruf eines
Bergführers? Für alle gibt es nur einen Grund - egal ob
Aspirant oder bereits erfahrener Bergführer, egal welcher
Herkunft oder welchen Alters, gleich ob haupt- oder
nebenberuflich , der Wunsch nach der intensiven
Auseinandersetzung mit der Erlebniswelt Berg, gepaart mit sehr
viel Begeisterungsfähigkeit und einer großen Portion
Idealismus. Einen Beruf, ja eine Berufung auszuüben, bei dem
man die Faszination Berg und Natur direkt erleben und anderen
mitteilen kann und dabei weitgehend sein eigener Herr bleibt -
darin liegt für die meisten Bergführer der ganz
besondere Reiz ihrer Tätigkeit.
Auch wenn man hierbei nicht gerade zum Millionär wird.
Bergführer - Vertrauter oder Helfer, Unterhalter, mentaler
Trainer oder "Risiko Manager" - egal was auch immer der Kunde in
ihm sieht oder bei ihm sucht, er findet einen kompetenten
Ansprechpartner in Sachen Erlebniswelt Berg, einen Multiplikator
für den Erhalt der Natur und einer intakten Bergwelt. |